Am 26.01. kommt der Film „Der Artist“ in die deutschen Kinos. Der Überraschungserfolg aus Frankreich ist ein Exot in der aktuellen Kinolandschaft, denn es handelt sich um einen Stummfilm im Schwarz-Weiß-Stil der 20er-Jahre. Und: um einen echten Steptanzfilm. Im Interview erzählt Steptänzer und Choreograph Fabien Ruiz aus Paris von seinem Anteil an der Entstehung des Films. [Die Fragen stellte Sebastian Weber, Übersetzung: Gaelle Lisack. Das französische Original steht am Ende des Artikels!]
Fabien, in Deutschland konnten wir den Film bisher nicht sehen. Kannst du uns ganz kurz sagen, worum es geht?
Hollywood 1927. George Valentin ist ein Star des Stummfilms, dem alles zufliegt. Aber der Aufstieg des Tonfilms lässt ihn in Vergessenheit geraten. Peppy Miller, eine junge Statistin, wird ihrerseits ans Firmament der Stars katapultiert. Der Film erzählt die Geschichte ihrer Begegnung und davon, wie Berühmtheit, Hochmut und die Liebesgeschichte der beiden Schauspieler gefährden.
Dieser Film ist überhaupt kein Musical – im Gegensatz zu dem, was die Vorschau ahnen lässt! Es gibt lediglich zwei getanzte Sequenzen: die erste ist sehr kurz und lustig, es ist ein Treffen zwischen den beiden Protagonisten, und dann der Abschlusstanz, welcher eine Hommage an die Musicals von Hollywood im Stil von Fred Astaire und Ginger Rogers ist.
Du bist der Choreograph und Steptanz-Coach des Films. Wie kann man sich diese Arbeit vorstellen? Konnte der Hauptdarsteller Jean Dujardin schon steptanzen? Was hast du mit ihm gemacht?
Weder Jean Dujardin noch Bérénice Béjo hatten schonmal gesteppt; sie hatten noch nicht einmal irgendeinen Tanz- oder Musikunterricht genommen! Es gab also eine große Coaching-Aufgabe. Sie sollten ja innerhalb weniger Monate (sechs Monate für Bérénice, drei für Jean) technisch so gut und leichtfüßig werden, dass sie Choreografien in schnellem Tempo tanzen und dabei weiter lächeln und Spaß haben konnten. Der Regisseur Michel Hazanavicius hatte mich gewarnt, dass er die Schauspieler nicht doubeln wollte, da er die Abschlusschoreografie – die 2’15 dauert – in einer, maximal zwei Aufnahmen drehen wollte. Es gibt also keinen Schnitt sondern lange Bewegungen der Kamera, die während der gesamten Szene auf einem Kran auf Schienen fährt.
Die Ästhetik des Films orientiert sich am Vorbild der Stummfilme der 20er Jahre. Hattest Du für deine Choreographien auch bestimmte Vorbilder im Kopf?
Die Handlung des Films spielt zwischen 1929 und 1932 und ich wollte ausschließlich Steptanzschritte in meine Choreografie aufnehmen, die es damals tatsächlich gab. Ich bin also (mit Vergnügen!) wieder in die Steptanz-Sequenzen aus den ersten Musicals eingetaucht, aus der Zeit noch kurz vor Fred Astaires Erscheinen auf der Leinwand, der den Stil bedeutend modernisiert hat. Dort habe ich die Gestik und die rhythmische Phrasierung gefunden, die für diese Periode charakteristisch sind, für die Anfangszeit des Swing. Genau in diesen Jahren ist der berühmte « Shim-Sham » entstanden, aber auch die Mode des Charleston. Die Schritte sind sehr wenig synkopiert und die Noten spielen oft klar und deutlich auf den Beats: weder Rolls, noch Riffs!
Historisch kam der große Erfolg des Steptanz im Film doch eigentlich mit dem Tonfilm, weil man den Steptanz als klingenden Tanz ja auch hören will. „Der Artist“ ist aber ein Stummfilm. Wie habt ihr das gelöst? Hört man die Töne des Steptanz auch?
Sicher, aber nicht immer… es ist eine Überraschung! Man muss den Films sehen, um zu verstehen…
Du hast auch vorher schon viel für Film und Fernsehen gemacht, aber dieser Film ist wohl der größte Erfolg. Habt ihr während der Dreharbeiten mit dieser Resonanz gerechnet? Wie war die Stimmung am Set?
Die Dreharbeiten in Hollywood waren eine magische Zeit. Wir haben in den Studios der Warner Bros, der Paramount, im Red Studio gedreht. Das war das erste Studio, das in Los Angeles 1915 gebaut wurde. Es hieß damals „Metro Picture Studios“. Wir haben auch an natürlichen Orten gedreht, wie in diesem Theater, in dem die erste Sequenz des Films spielt. Es ist ein wunderschönes Theater, welches seit den dreißiger Jahren nicht angefasst wurde – in diesem Theater wurde der Film MODERN TIMES von Charlie Chaplin uraufgeführt.
Wir haben auch die Villa und das Bett des Stummfilmstars Mary Pickford für Bérénice Béjo (Peppy Miller im Film) benutzt. Wir haben hauptsächlich originale Accessoires und Dekors verwendet, fast nichts wurde gebaut. Der Wagen von Jean Dujardin (Georges Valentin im Film) ist derjenige des Regisseur von „BEN HUR“ Cecil B. De Mille. Eines der Dekors ist das Original von Humphrey Bogart in „CASABLANCA“ und so weiter…
Wir waren nur acht Franzosen am Set, der Rest des Teams, das heißt gut hundert Techniker, waren Amerikaner, aber alle waren sehr aufgeregt an einem Film mitzuarbeiten, der die Entstehung des Films in Hollywood erzählt. Dagegen konnte sich keiner einen solchen Erfolg vorstellen (über vierzig Preise in den internationalen Festivals), zumal sich ein Jahr früher kein Produzent an der Finanzierung beteiligen wollte. Kein Fernsehsender wollte zur Zeit des 3D-Kinos einen Euro in einen schwarz-weißen Stummfilm investieren. Schließlich hat der Sender France 3 ein bisschen Geld gegeben, aber es ist vor allem das Verdienst des verrückten und vor allem leidenschaftlichen ProduzentenThomasLangmann – der beschlossen hat, sein eigenes Geld in das Projekt zu stecken – dass der Film im Endeffekt gedreht werden konnte.
Seit Jahrzehnten gab es keinen so erfolgreichen Steptanzfilm mehr und du hast als Choreograph einen bedeutenden Anteil daran. Hat sich Dein Alltag als Steptänzer verändert? Gibt es schon neue Filmpläne und kriegst Du Anrufe aus Hollywood? Wie geht es bei Dir jetzt weiter?
Ich möchte nochmal klar sagen, dass es kein Steptanzfilm ist, auch wenn die Werbung viel von Steptanz spricht, insbesondere die Vorschau. Es gibt nur drei Minuten Steptanz in diesem Film! Aber der Steptanz bleibt den Leuten im Gedächtnis, gleich ob sie Journalisten oder Zuschauer sind, weil er sinnvoll ist und in einem sehr wichtigen Moment der Geschichte vorkommt.
Was mich betrifft, stecke ich noch mitten im Trubel um diesen Film, weil ich zu Aufführungen mit Diskussion überall in Frankreich in Kinos eingeladen werde, um über meine Erfahrung am Set zu sprechen. Und ich beantworte ziemlich viele Interviews für französische und ausländische Zeitungen und Radios.
Seit der Vorstellung des Films auf dem letzten Festival in Cannes im Mai 2011 werde ich jetzt bei meinen Auftritten oder bei Konzerten an denen ich teilnehme als DER Choreograf von „THE ARTIST“ dargestellt! Es ist eine hervorragende Visitenkarte für mich. Leider sind heute die Filme mit Steptanzszenen so selten, selbst in den USA, dass ich nicht weiß, wann ich wieder eine solche Erfahrung erleben kann. Der letzte Film, an dem ich mitgearbeitet hatte – MISTER V – ist von 2003! Ich hoffe, dass es nicht wieder acht Jahre dauern wird!!!
Während ich „THE ARTIST“ vorbereitete, hat eine französische Regisseurin mit mir Kontakt aufgenommen für ein sehr schönes, sehr originelles Drehbuch, in dem Septanz eine sehr wichtige Rolle spielt. Wir hatten einige Arbeitssitzungen zusammen. Es ist ein sehr originelles Projekt. Jetzt müssen die Produzenten überzeugt werden…
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Le 26 janvier „The Artist“ sort dans les salles de cinéma allemandes. Le succès inattendu en France est une rareté dans le paysage cinématographique actuel, car il s’agit d’un film muet dans le style des films en noir et blanc des années 1920. Et d’un vrai film de claquettes. Fabien Ruiz, claquettiste et chorégraphe (Paris), nous raconte sa participation à la réalisation du film.
Fabien, nous n’avons pas encore pu voir le film en Allemagne. Peux-tu nous dire en quelques mots de quoi il s’agit ?
Hollywood 1927. George Valentin est une vedette du cinéma muet à qui tout sourit. L’arrivée des films parlants va le faire sombrer dans l’oubli. Peppy Miller, jeune figurante, va elle, être propulsée au firmament des stars. Ce film raconte l’histoire de leurs destins croisés, ou comment la célébrité, l’orgueil et l’argent peuvent être autant d’obstacles à leur histoire d’amour.
Ce film n’est pas du tout une comédie musicale – contrairement à ce que peut laisser présager la bande-annonce ! – puisqu’il n’y a que 2 séquences dansées : la première est très courte et amusante, c’est une rencontre entre les deux protagonistes, puis la danse finale, qui est un hommage aux comédies musicales hollywoodiennes dans le style des duos de Fred Astaire et Ginger Rogers.
Tu es le chorégraphe et coach claquettes du film. Comment peut-on se représenter ce travail ? L’acteur principal Jean Dujardin savait-il déjà faire des claquettes ? Qu’as-tu fait avec lui ?
Ni Jean Dujardin ni Bérénice Béjo n’avaient jamais fait de claquettes ; ils n’avaient même jamais pris aucun cours de danse ou de musique ni l’un, ni l’autre ! Il y a donc eu un gros travail de coaching pour qu’ils obtiennent en quelques mois (6 mois pour Bérénice, 3 mois pour Jean) une très grande qualité technique et surtout pour qu’ils aient suffisamment d’aisance pour exécuter les chorégraphies qui sont sur des tempos rapides, en gardant le sourire et en s’amusant. Le réalisateur Michel Hazanavicius m’avait prévenu qu’il ne voulait pas que les acteurs soient doublés puisqu’il souhaitait filmer la chorégraphie finale – qui dure 2’15 – en un ou deux plans maximum. Il n’y a donc pas de coupure, mais des longs mouvements de caméra fixée sur une sur grue posée sur des rails de travelling pendant toute la scène.
L’esthétique du film s’inspire du modèle des films muets des années 1920. Avais-tu également des modèles précis en tête pour tes chorégraphies ?
L’action du film se déroulant de 1929 à 1932, je voulais absolument n’insérer dans ma chorégraphie que des pas de claquettes existant à cette époque. Je me suis donc replongé (avec plaisir !) dans le visionnage des très anciennes séquences de claquettes issues des premiers films musicaux, c’est-à-dire juste avant l’arrivée au cinéma de Fred Astaire – qui lui, a beaucoup modernisé le style – pour sélectionner la gestuelle et le phrasé rythmique caractéristique de cette période correspondant au tout début du swing. C’est exactement dans ces années-là qu’à été créé le fameux « Shim-Sham », mais c’est aussi la mode du Charleston. Les pas sont très peu syncopés et les notes jouent beaucoup sur les temps de façons très claires : pas de roulement ou de rif !
D’un point de vue historique, le grand succès des claquettes au cinéma vint avec l’apparition du film parlant, parce qu’on veut entendre les claquettes, qui sont une danse sonore. « The Artist » est un film muet. Comment avez-vous résolu cela ? Entend-on les sons des claquettes ?
Bien sûr, mais pas toujours… c’est une surprise ! Il faut voir le film pour comprendre…
Tu as déjà beaucoup travaillé pour le cinéma et la télévision auparavant, mais ce film est certainement le plus grand succès. Vous attendiez-vous à cet écho pendant le tournage ? Comment était l’ambiance sur le plateau ?
Le tournage à Hollywood a été un moment magique. Nous avons tourné dans les studios de la Warner Bros, de la Paramount, au Red Studio qui a été le premier studio construit à Los Angeles en 1915 et qui s’appelait à l’époque « Metro Picture Studios ». Nous avons tourné aussi dans des décors naturels comme ce théâtre dans lequel a lieu la première séquence du film. C’est un théâtre absolument magnifique qui n’a pas été retouché depuis les années trente – c’est dans ce théâtre qu’à eu lieu la Première du film « MODERN TIMES » de Charlie Chaplin. Nous avons également utilisé la villa et le lit de la star du muet Mary Pickford pour Bérénice Béjo (Peppy Miller dans le film). Nous nous sommes essentiellement servis d’accessoires et de décors d’origine, presque rien n’a été construit. La voiture de Jean Dujardin (Georges Valentin dans le film) est celle du réalisateur de « BEN HUR » Cecil B. De Mille. Un des décors est celui d’Humphrey Bogart dans « CASABLANCA », etc.
Nous n’étions que 8 français sur le tournage, tout le reste de l’équipe, c’est-à-dire une bonne centaine de techniciens, étaient américains, mais tout le monde était très excité de faire partie d’un film qui raconte la genèse du cinéma à Hollywood. En revanche, personne ne pouvait imaginer un tel succès (+ d’une quarantaine de prix dans les Festivals Internationaux), d’autant qu’un an avant, aucun producteur ne voulait se lancer dans le financement de ce scénario. Aucune chaîne de télévision ne voulait investir un euro dans un film muet en noir et blanc à l’heure des films en 3D ! Finalement, la chaîne France 3 à donner un peu d’argent, mais c’est surtout grâce à un producteur complètement fou et surtout passionné (ThomasLangmann) – qui a décidé de mettre son propre argent dans le projet – que le film a pu finalement se tourner.
Aucun film de claquettes n’a eu autant de succès depuis des décennies et en tant que chorégraphe tu y as grandement participé. Est-ce que cela a changé quelque chose à ton quotidien de claquettiste ? Y a-t-il déjà des nouveaux films prévus et reçois-tu des appels d’Hollywood ? Quels sont tes projets maintenant ?
Je tiens à préciser une nouvelle fois que « THE ARTIST » n’est pas un film de claquettes même si la publicité autour du film parle beaucoup de claquettes, notamment la bande-annonce, il n’y a que 3 minutes de claquettes dans ce film ! Mais les claquettes marquent les gens, qu’ils soient journalistes ou spectateurs, car elle ne sont pas gratuites et interviennent à un moment très important du déroulement de l’histoire.
En ce qui me concerne, je suis encore dans l’actualité du film puisque je suis invité à parler de mon expérience sur ce tournage lors de projections-débats un peu partout dans les salles de cinéma en France et que je réponds à pas mal d’interviews pour des journaux ou pour des radios françaises ou étrangères.
Depuis la présentation du film au dernier Festival de Cannes en mai 2011, je suis maintenant annoncé lors de mes spectacles ou lors des concerts auxquels je participe en tant que claquettiste, comme LE chorégraphe de « THE ARTIST » ! C’est une excellente carte de visite pour moi. Malheureusement, les films qui contiennent des scènes de claquettes aujourd’hui sont tellement rares, même aux USA, que je ne sais pas quand je pourrais à nouveau revivre une expérience similaire. Le dernier film auquel j’avais collaboré – « MISTER V » – date de 2003 ! J’espère que le prochain ne sera pas dans 8 ans !!!
Pendant que je préparais « THE ARTIST », j’ai été contacté par une réalisatrice française pour un très beau scénario, très original, dans lequel les claquettes ont une part très importante. Nous avons eu quelques séances de travail ensemble ; c’est un projet très original. Reste maintenant à convaincre des producteurs…
